Kohlenhydrate in der Ernährung von Hunden und Katzen
Welche Rolle spielen sie wirklich
Kohlenhydrate sind ein Bestandteil vieler Futtermittel für Hunde und Katzen. Sie kommen vor allem in pflanzlichen Zutaten wie Getreide, Reis, Mais, Kartoffeln oder Hülsenfrüchten vor.
In der Tierernährung wird häufig darüber diskutiert, welche Rolle Kohlenhydrate tatsächlich in der Fütterung spielen sollten.
Kohlenhydrate beim Hund
Hunde können Kohlenhydrate grundsätzlich verdauen und verwerten. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie in grossen Mengen Bestandteil der Ernährung sein müssen.
Der Hund hat einen gewissen metabolischen Bedarf an Glukose. Dieser Bedarf kann jedoch auch ohne eine hohe Aufnahme von Kohlenhydraten gedeckt werden.
Der Körper ist in der Lage, Glukose selbst herzustellen. Dieser Prozess wird Gluconeogenese genannt.
Dabei wird Glukose aus anderen Nährstoffen gebildet, insbesondere aus:
- Aminosäuren
- Fettsäuren
- anderen Zwischenprodukten des Stoffwechsels
Voraussetzung dafür ist, dass ausreichend Proteine und Fette in der Nahrung vorhanden sind.
Energieversorgung beim Hund
Aus Sicht der Energieversorgung ist Fett für Hunde eine sehr effiziente Energiequelle.
Um eine vergleichbare Energiemenge zu liefern, entsprechen beispielsweise etwa 650 g Kartoffeln ungefähr der Energie von rund 50 g Fett.
Der Hund kann Energie deshalb sehr effektiv aus Fett gewinnen.
Kohlenhydrate und Darmgesundheit
In Form von Faserstoffen können Kohlenhydrate jedoch eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit spielen.
Ballaststoffe dienen als Nahrung für bestimmte Darmbakterien und unterstützen dadurch das Gleichgewicht der Darmflora.
Eine moderate Menge geeigneter pflanzlicher Bestandteile kann daher einen positiven Einfluss auf die Darmgesundheit haben.
Wann Kohlenhydrate sinnvoll sein können
In bestimmten Situationen kann der Einsatz geeigneter Kohlenhydrate sinnvoll sein.
Dies kann beispielsweise bei Erkrankungen der Fall sein, bei denen der Organismus Fette oder Proteine nur eingeschränkt verstoffwechseln kann.
In solchen Fällen kann eine individuell angepasste Ernährung sinnvoll sein.
Mögliche Nachteile hoher Kohlenhydratanteile
Ein sehr hoher Anteil an Kohlenhydraten in der Ernährung kann jedoch auch Nachteile haben.
Wenn ein grosser Teil der Nahrung aus kohlenhydratreichen Zutaten besteht, können andere wichtige Nährstofflieferanten verdrängt werden.
Zudem enthalten einige pflanzliche Zutaten sogenannte Antinährstoffe, wie zum Beispiel Phytate. Diese können die Aufnahme bestimmter Mineralstoffe im Körper beeinflussen.
Kohlenhydrate in industriellen Futtermitteln
In vielen industriell hergestellten Futtermitteln liegt der Anteil an Kohlenhydraten häufig zwischen 35 und 60 Prozent oder sogar darüber.
Kohlenhydrate werden dabei unter anderem verwendet, weil sie technologisch gut verarbeitet werden können und im Vergleich zu tierischen Zutaten kostengünstiger sind.
In der Diskussion um mögliche Ursachen bestimmter Erkrankungen wird teilweise auch vermutet, dass eine langfristig sehr kohlenhydratreiche Ernährung bei manchen Hunden Stoffwechselprobleme begünstigen könnte. In diesem Zusammenhang wird gelegentlich auch ein möglicher Zusammenhang mit Erkrankungen wie der exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) diskutiert.
Kohlenhydrate bei BARF
Bei einer Fütterung nach dem BARF Prinzip, wie sie beispielsweise nach dem Konzept von Swanie Simon umgesetzt wird, orientiert sich die Zusammensetzung der Nahrung am sogenannten Beutetierprinzip.
Dabei besteht die Ration hauptsächlich aus tierischen Bestandteilen.
Der Anteil an Kohlenhydraten ist in einer solchen Fütterung in der Regel relativ gering und liegt im Durchschnitt etwa bei:
- 2,5 bis 4 Prozent Kohlenhydrate
Typische durchschnittliche Zusammensetzungen einer BARF Ration können ungefähr sein:
- etwa 70 Prozent Feuchtigkeit
- etwa 16 Prozent Protein
- etwa 12 Prozent Fett
Kosten und Wahrnehmung
Manche Tierhalter empfinden eine BARF Ernährung zunächst als teurer. Betrachtet man jedoch die Zusammensetzung vieler industrieller Futtermittel, stellt sich häufig die Frage, wofür tatsächlich bezahlt wird.
Viele Futtermittel enthalten einen grossen Anteil an pflanzlichen Zutaten wie Getreide oder Kartoffeln.
Bei einer frischen Fütterung werden hingegen vor allem Fleisch, Innereien, Knochen, Fett sowie kleine Mengen pflanzlicher Zutaten verwendet.
Individuelle Unterschiede
Wie gut ein Tier bestimmte Futtermittel verträgt, kann sehr unterschiedlich sein.
Faktoren wie:
- Alter
- Aktivitätslevel
- Gesundheitszustand
- Verdauungssituation
spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährung.
Deshalb sollte die Fütterung immer individuell auf das einzelne Tier abgestimmt werden.
Fazit
Hunde können Kohlenhydrate verdauen, sind jedoch nicht darauf angewiesen, grosse Mengen davon über die Nahrung aufzunehmen. Der Körper kann Glukose auch selbst herstellen.
In moderaten Mengen können Kohlenhydrate in Form von Faserstoffen eine positive Rolle für die Darmgesundheit spielen.
Eine Ernährung, die sich an den natürlichen Bedürfnissen von Hunden und Katzen orientiert und individuell angepasst wird, kann dazu beitragen, die Nährstoffversorgung optimal zu gestalten.
Bei gesundheitlichen Problemen sollte jedoch immer eine tierärztliche Abklärung erfolgen, da eine Ernährungsberatung keine tierärztliche Behandlung ersetzt.
Weitere Informationen zur individuellen Ernährungsberatung finden Sie bei